Start: 09.09.2008 Bildungsthema„Die Google Falle?“ – Risiko und Nutzen für Unternehmer

Wir alle mögen die „Suchmaschine“ Google, weil es ein verlässliches, total praktisches Webservice ist. Modern, erfolgreich und bunt, großzügig zu seinen 20.000 Mitarbeitern und spendabel gegenüber seinen 900 Millionen Nutzern: Wenige Weltkonzerne verbreiten so viel Sympathie wie Google. Für das Gros der Internetnutzer ist Google eine Suchmaschine – ein Schlitz auf einer Webseite, in den man einen Begriff eintippt und innerhalb von 0,34 Sekunden (oder noch kürzer) eine Trefferliste erhält, die beispielsweise im Fall „Bill Gates“ 28,5 Millionen Ergebnisse umfasst.

Themenexperten

Journalist (KURIER und ORF), Buchautor Gerald Reischl befasst sich seit mehr als zehn Jahren mit IT und Datenschutz und hat bereits in seinem Erstlingswerk „Im Visier der Datenjäger“ (1998) – das Buch hatte parlamentarische Anfragen ausgelöst – au...

Journalist (futurezone.ORF.at, IT-Aufdecker und Medienkritiker) Erich Möchel schreibt im Technologie-Channel des ORF vor allem zu den Themen IT-Politik, E-Business mit Schwerpunkten auf Netzwerksicherheit und Datenschutz. Möchel ist Mitglied i...

9. September 2008 Kapitel 1: Google als Weltkonzern

Doch Google ist längst keine Suchmaschine mehr, es ist ein Weltkonzern, der die totale Kontrolle der Internet-Gemeinde anstrebt und zum größten Händler und Archivar von Information werden will. Gestern waren die Suche, G-Mail oder das Werbe-Programm AdWords, heute ist es der Google-Browser „Chrome“, morgen vielleicht schon ein eigenes Betriebssystem.

Mit den vielen Services, ob Google Earth, Google Docs oder Google Mail, hat sich die Firma von Larry Page, Sergey Brin und Eric Schmidt zur unkontrollierten Weltmacht im Internet entwickelt. Google ist ein „Wolf im Schafspelz“, ein Monopolist, der eifrigste Datensammler der Welt, der dutzende Patente auf Methoden hat, die aus der Überwachungsindustrie stammen könnten. Seit Jahren schon wird jeder Google-Nutzer analysiert und kategorisiert. Die Marktdominanz Googles ist für eine Wissensgesellschaft gefährlich – sie ermöglicht politische Zensur, wie sie in China praktiziert wird, erleichtert das Ausspionieren der Privatsphäre und duldet weder Kritik noch Konkurrenten. Die Marktdominanz Googles könnte auch der Beweis sein, dass Europa schon längst den Anschluss und die Kontrolle über IT und Internet verloren hat.

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9. September 2008 Kapitel 2: Google in vielen Branchen

Die wenigsten Nutzer wissen, wie Google sein Geld verdient, in welchen Branchen das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View überall mitmischt und welche Ziele Google verfolgt: der weltweit größte Herausgeber, Händler und Archivar von Informationen zu werden. Laufend werden neue Services als Beta-Versionen freigeschaltet. Die Google-Desktop-Suche ist, obwohl schon Jahre online, genauso wenig über das „Beta-Stadium“ hinausgekommen wie der Wissenschaftssuchdienst Google Scholar, die Buchsuche oder der Instant-Messaging-Dienst Google Talk.

Laufend werden Patente eingereicht, um sich so die IT-Zukunft zu sichern – sei es für digitale Plakatwände oder für Analyse-Software. Google besitzt mehr als 2.000 Patente. Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen werden zugekauft – allein 2007 waren es 15 Unternehmen, vom Videokonferenz-Anbieter Marratech über die RSS-Feed-Firma FeedBurner bis hin zum Onlinefotoportal Panoramio.

Dabei stößt Google in Bereiche vor, die die Gründer Larry Page und Sergej Brin beim Start ihres Unternehmens garantiert nicht im Entferntesten im Sinn gehabt haben. Etwa die Beteiligung an einem Unterseekabel im Pazifik – Projektname „Unity“ – oder der Einstieg ins Genforschungsgeschäft. Oder dass sie im Handy-Business mitmischen. Oder dass sie in Computerspielen Werbung schalten. Oder dass sie eine Onlinebank (Checkout) und eine virtuelle Bibliothek betreiben.